Brustkrebs - Therapie mit Angiogenesehemmern

Was bewirkt ein Angiogenesehemmer?

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Brustkrebs: Mammakarzinom mit Angiogenesehemmer aushungern - moderne Therapie mit verbesserten Chancen zur Erhaltung der Brust
Brustkrebs: Wenn sich in der Brust außerplanmäßig Zellen teilen und zu einer entarteten Geschwulst heranwachsen, spricht der Arzt von Brustkrebs, dem Mammakarzinom. Meist tritt der Brustkrebs bei Frauen auf, bei Männern in nur sehr wenigen Fällen. Jährlich wird bei mehr als 57.000 Betroffenen diese lebensverändernde Diagnose gestellt.

Nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft ist gerade bei der Ersterkrankung im frühen Stadium des Mammakarzinoms sogar die Aussicht auf Heilung gegeben. Haben sich jedoch Metastasen, Tochtergeschwülste, gebildet und im Körper in anderen Organen wie der Leber, Lunge oder den Knochen verteilt, sinken die Heilungschancen. Deshalb ist die frühzeitige Diagnose und Therapie das Ziel einer regelmäßigen Prävention.



Brustkrebstherapie - Leitlinien sichern Standard
Die therapeutischen Maßnahmen im Frühstadium, also vor der Metastasierung, sind durch Leitlinien standardisiert. Folgender Behandlungsablauf ist kennzeichnend:
  • Operation
  • Nachbehandlung mit Chemotherapie
  • Lokale Strahlentherapie
  • Kontinuierliche Nachsorge
Nach Aussage von Prof. Dr. med. Andreas Schneeweiss, Sektionsleiter Onkologische Ambulanz und Tagesklinik der Universitätsfrauenklinik, Heidelberg, ist dieses Behandlungschema für die bundesweit plazierten Brustkrebscentren bindend. Er empfiehlt daher Brustkrebpatientinnen immer den Weg zu einem dieser Centren.



Brustkrebs - Fortschritte in der Therapie mit dem Ziel zur Erhaltung der Brust
Die Therapie des Brustkrebs wird von kontinuierlichem Fortschritt in den letzten Jahren begleitet. Galt vor wenigen Jahren noch die Entfernung der kompletten Brust als conditio sine qua non in der Brustkrebsbehandlung, so steht heute nach PD Dr. Volkmar Müller, Leiter des Bereichs Konservative Gynäkologische Onkologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf die Erhaltung der Brust im Fokus der Therapiediskussion. Entscheidungsgrundsätze, denen sich die Brustkrebscentren und ihre angeschlossenen Kliniken und Praxen verpflichtet haben, sorgen für ein therapeutisches Optimum der betroffenen Frauen.

Auch das Vorgehen bei der Chemotherapie hat sich kontinuierlich gewandelt und verbessert und ermöglicht heute in vielen Fällen auch eine ambulante Behandlung der Brustkrebspatientinnen. Allein in den vergangenen zehn Jahren konnte eine Verdoppelung der Heilungsraten durch neue Chemotherapien erzielt werden.

Zu der Optimierung der therapeutischen Wirkungen gehört auch die kontinuierliche Senkung der Nebenwirkungen. Denn die Zellgifte treffen nicht nur die Tumorzellen sondern wirken auch auf gesundes Gewebe, vor allem Schleimhäute, Blutzellen, Eierstockgewebe und Haarwurzelzellen.

Tumorbiologie liefert weitere Therapiesäule in der Behandlung des Brustkrebs
Im Kampf gegen den Krebs und die therapeutischen Nebenwirkungen bildet nunmher die Tumorbiologie seit wenigen Jahren eine weitere hoffnungsvolle Therapie-Säule. Die Idee ist einfach, stellt aber eine große Herausforderung an die Mikrobiologen dar: das Tumorwachstum soll mit körpereigenen Substanzen, also durch Hormone oder Wachstumsfaktoren verhindert und geblockt werden. Hintergrund dieses Therapieansatzes ist die Entdeckung des Amerikaners J.Folkmann (1971
Tumorangiogenesis: therapeutic implications; N. Engl. J. Med. 285, 1182-1186) der bereits 1971 einen Botenstoff postulierte, der bei wachsenden Zellkolonien, also auch von Tumoren, ab einer bestimmten Größe von diesen Zellen gebildet wird. Und tatsächlich wurde der Botenstoff VEGF gefunden, der von neuen Zellkonglomeraten sezerniert wird. Er bindet an Rezeptoren umliegender Blutgefäße und veranlaßt diese, neue Gefäße zu bilden.

Für das Wachstum des Tumors ist die Blutversorgung lebenswichtig, da das Blut den An- und Abtransport von Stoffwechselprodukten sicher stellt. Und hier setzen Angiogenesehmmer an, die die VEGF-Rezeptoren auf Blutgefäßen blockieren und so die Angiogenese, die Neubildung von Blutgefäßen zur Versorgung des wachsenden Tumors unterbinden. In der Folge wird der Tumor ausgehungert, kapselt sich ab und wird bestenfalls zurückgebildet.



Chemotherapie + Angiogenesehemmer - Verdoppelung des Therapieerfolgs bei bestimmten Patientinnen möglich
Für Teilnehmerinnen an klinischen Studien zu Kombination von Chemotherapie und Angiogenesehemmer bedeutete die Ergänzung der Chemotherapie mit einem Angiogenesehemmer nicht nur eine Verdoppelung des Therapieerfolgs sondern auch eine Senkung der Nebenwirkungen und eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität.

Die Forscher sind hoffnungsvoll gestimmt. Nach den Erfahrungen von PD Dr. Müller sind die größten Effekte von Angiogenesehemmern bei Patienten mit Mikrometastasen zu erwarten, die gleichzeitig chemotherapeutisch behandelt werden. Doch auch wenn in den vergangenen zwei Jahrzehnten in der Behandlung des Brustkrebs viele Erfolge erzielt wurden, gilt noch immer der Erfahrungssatz, dass die therapeutischen Möglichkeiten für Patientinnen umso besser sind, je früher der Krebs erkannt wird. Daher mahnen Ärzte und Brustkrebspatientinen jeder Frau zur kontinuierlichen Teilnahme an den kostenlosen Brustkrebsvorsorgeuntersuchungen. (Dr. Joachim Wolff, MEDIZIN ASPEKTE, 06/2008)

Quelle
Veranstaltung zum Thema
Brustkrebs verzögern - Angiogenese-Hemmung hungert den Tumor aus
Veranstalter: Roche Pharma AG
München, 11.06.2008
Referate
  • Diagnose "Brustkrebs" und die Therapiemöglichkeiten
    PD Dr. med. Volkmar Müller
    Leiter des Bereichs
    Konservative gynäkologische Onkologie Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf

  • Bedeutung klinischer Studien für Patienten
    Prof. Dr. med. Andreas Schneeweiss
    Sektionsleiter Onkologische
    Ambulanz und Tagesklinik
    Universitätsfrauenklinik
    Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT)
    Heidelberg

  • Leben mit Brustkrebs
    Sabine Rheinsberg berichtet über den Umgang mit ihrem Brustkrebs