Gebärmutterhalskrebs

Gebärmutterhalskrebs ist das Thema einer europaweite Aufklärungskampagne, die Anfang 2007 in Deutschland startet. Den Auftakt der Aufklärungsaktion zum Gebärmutterhalskrebs bildete eine Präventionswoche vom 21. bis 28.Januar 2007.

Ziel ist es, das bestehende Informationsdefizit zu verringern. Eine Umfrage unter Frauen verschiedener Altersgruppen ergab, dass die Kenntnis über Ursache und Prävention von Gebärmutterhalskrebs erschreckend gering ist. So wussten nur 21% der Befragten (4500 Frauen), dass diese die zweithäufigste Krebsart bei Frauen unter 45 Jahren ist, und sogar nur 8%, dass ein Virus die Hauptursache dieses Tumors ist. Die Subtypen HPV (Humanes Papillom Virus) 16 und HPV 18 gelten als Auslöser von zusammen 71,5% aller Zervixkarzinome.48% der Frauen sind nicht darüber aufgeklärt, warum sie überhaupt an Vorsorgeuntersuchungen teilnehmen. Es besteht also ein immenser Aufklärungsbedarf in Deutschland, da diese Krebsformbei regelmässiger Früherkennunguntersuchungen rechtzeitig diagnostiziert werden kann.Die bestehenden Krebsfrüherkennungsprogramme sind wichtig. Seit Einführung konnten so die Neuerkrankungen am Zervixkarzinom sukzessive erfolgreich von rund 20000 Neuerkrankungenauf 6500 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland verringert werden. Diese Zahl hat aber seit Mitte der 90er Jahre ein Plateau erreicht. Ca. 3000 meist junge Frauen versterben derzeit noch pro Jahr in Deutschland.
 
Die Bedeutung der Früherkennungsuntersuchung wird deutlich, wenn man sich vor Augen führt,dass in Ländern ohne Vorsorge-Untersuchungen die Zervixkarzinomhäufigkeit um das Drei- bis Zehnfache höher ist. Das Thema Brustkrebs ist in der Bevölkerung fest verankert, das Thema Gebärmutterhalskrebs noch lange nicht. Die Aufklärungskampagne hat zum Ziel, über die Risikofaktoren für die Entstehung von Zervixkarzinomen sowie über die Möglichkeiten zur Prävention von Gebärmutterhalkrebs zu informieren.

Initiator der Präventionswoche, die in Zukunft jährlich stattfinden soll, ist die EuropeanCervicalCancer Association ( ECCA ). In Deutschland wird diese Aktion von der Projektgruppe ZERVITA (Tübingen) umgesetzt.

Die Grundvoraussetzung für die Entstehung eines Gebärmutterhalskrebses ist eineschleichende, im Verborgenen sich entwickelnde Infektion mit onkogenen (krebserzeugenden) Humanen Papillomaviren (HPV). Es wird geschätzt,dass 50-80% aller Frauen im Laufe ihres Lebens eine HPV-Infektion durchmachen; davon sind biszu 50% Infektionen mit onkogenen HPV-Typen (HPV Typen 16 und 18). Es gibt einen neuen Impfstoff, der sich ganz gezielt gegen diese beiden Hauptverursacher richtet. Die klinischen Studien konnten zeigen, dass die Effizienz einer Verhinderung der HPV16/18-Infektion bei 100% lag. Darüber hinaus zeigen Studien erste Hinweise darauf, dass der Impfstoff vor Neuinfektionen mit zwei weiteren HPV-Typenschützen könnte, die ebenfalls eine Rolle bei der Entstehung vonGebärmutterhalskrebs spielen. Es sind dies die HPV- Typen 45 und 31.

Um sinnvoll vor HPV zu schützen, müssen sich vor allem die ganz jungen Mädchen vor demersten Geschlechtsverkehr impfen lassen. Laut einer Befragung der BZGA ( Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ) hatten 25% der 15-Jährigen und schon immerhin 8% der 14-jährigen Mädchen bereits Erfahrung mit Geschlechtsverkehr.

Trotz aller Aufklärung ist das "Erste Mal" zumeist kein geplantes Ereignis. 25% der Mädchen waren " von der Entwicklung der Geschehnisse völlig überrascht". Besonders erschreckend ist hier die konstant hohe Zahl von 12% derjenigen, die überhaupt nicht verhüten und somit auch keinerlei Schutzmassnahmen vor sexuell übertragbaren Erkrankungen, so auch u.a. gegen HPV treffen. Der Gebrauch von Kondomen als häufigst benutztes Verhütungsmittel geht in den letzten Jahren, nach diversen Kampagnen gegen AIDS in den späten 80ern und in den 90er Jahren, stetig zurück. Dies konnten zahlreiche andere Studien bestätigen.

Um sinnvoll gegen die HPV Infektion zu schützen, müssen besonders die ganz jungen Mädchen erreicht werden. Hier besteht der Hauptansatz zur Verringerung von Zervixkarzinomen. Die Konsultationsrate der jungen Frauen liegt bei den 17Jährigen mit 81% zwar weit über dem Durchschnitt der Gesamthäufigkeit der Frauenarztbesuche in Deutschland, wäre aber gerade imAlter von 15 Jahren (52%) und vor allem bei den 14-jährigen mit nur noch 36% noch deutlich ausbaufähig. Gerade in der Jugendzeit besteht eine Lücke zwischen einerseits Kinderarzt- und andererseits Frauenarztkontakten und somit werden wichtige Möglichkeiten in der gesamten Primärprävention (Auffrischen von Impfungen, Schliessen von Impflücken, Ernährungs- und Bewegungsprogramme, usw.) leider nicht ausreichend genutzt.

Besonders in den Frauenarztpraxen besteht also durchaus die Möglichkeit, sehr früh die Mädchen zu beraten und zu impfen. Der sinnvollste Weg ist sicher, die HPV-Impfung vor dem ersten Geschlechtsverkehr durchzuführen, dennoch wissen wir bereits, dass es auch danach noch sinnvoll ist eine HPV-Impfung durchzuführen. Auch ist derzeit nach Expertenmeinung nicht vor jeder geplanten Impfung eine Testung auf HPV-Viren erforderlich.

Eine frühe Infektion führt nicht zwangsläufig zu einem anhaltendem Immunschutz. Selbst wenneine Frau also möglicherweise bereits mit einem onkogenen HPV infiziert ist oder war, können wir um ein weiteres Spektrum ergänzen und wahrscheinlich die Immunität sogar auffrischen.

Die Möglichkeit einer Immuntherapie, d.h. dass die Impfung zu einer Eliminierung einer persistierenden Infektion beiträgt, ist mit den jetzigen Impfstoffen noch nicht möglich. Somit handeltes sich zur Zeit um eine primäre Prävention. Weitere Studienergebnisse zum Langzeitschutz müs-sen noch abgewartet werden.

Die neuen Impfstoffe gegen HPV gelten als sicher und zuverlässig. Durch die Kombination mit den bestehenden Früherkennungsmassnahmen sowie mehr Aufklärungsarbeit in der Öffentlichkeit, auch z.B. in den Schulen, kann die Zahl der auffälligen Zytologiebefunde deutlich sinken, und es wird zu einer deutlichen Verringerung der Häufigkeit von Gebärmutterhalskarzinomen kommen.

Rüdiger Gaase
Arzt f. Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Hammanstr. 1
67549 Worms



Hörfunkbeitrag:
Gebärmutterhalskrebs durch die HPV-Impfung vorbeugen

Sie möchten mehr über den Zusammenhang von HPV und Gebärmutterhalskrebs, aber auch über die HPV-Impfung erfahren? Wissenswerte Fakten erklärt Prof. Lutz Gissmann vom Deutschen Krebsforschungszentrum, Heidelberg, in einem Hörfunkbeitrag von Susanne Irmen. Der Beitrag „Vorsorge mit der Spritze?“ wurde in der Sendung SWR 2 Campus gesendet.

>> Hier geht es zum Hörfunkbeitrag




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