Epilepsie: Sport ist für Kinder trotzdem wichtig
Epileptische Anfälle oder Epilepsie zählen zu den häufigsten Beschwerden, wegen derer Eltern mit ihren Kindern eine kinderneurologische Sprechstunde aufsuchen. Dies ist im Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ) im Elisabeth-Krankenhaus Essen nicht anders. Zwei bis vier Prozent der Menschen entwickeln im Laufe des Lebens eine Epilepsie. Von einem einmalig auftretenden Krampfanfall ist sogar etwa jeder Zehnte irgendwann einmal betroffen. Die Epilepsie ist damit die häufigste Erkrankung des Gehirns überhaupt. Vor allem durch eine gezielte medikamentöse Therapie ist jedoch heute ein relativ unbeschwertes Leben für die meisten Kinder und Jugendlichen mit Epilepsie möglich. Dies gilt auch für körperliche Aktivitäten und die Wahl einer Sportart. Einige Besonderheiten sollten hierbei dennoch berücksichtigt werden.
„Grundsätzlich ist Sport für alle Menschen und in jedem Alter gesund und sinnvoll“, so Dr. Claudio Finetti, Oberarzt im Essener SPZ. „Eine regelmäßige körperliche Betätigung ist nicht nur für das körperliche Wohlbefinden wichtig, sondern auch für die Psyche, das Selbst- bewusstein und das Selbstvertrauen. Bei chronisch kranken Menschen hat Sport darüber hinaus auch noch eine wichtige psychosoziale Bedeutung. Sportliche Aktivitäten zusammen mit anderen – beispiels- weise in einem Verein – können einer drohenden Isolation vorbeugen, die man bei Menschen mit Epilepsie leider immer noch häufig sieht.“ Aber natürlich hat nicht jedes Kind Interesse an Sport. Eltern sollten es in diesem Fall auch nicht dazu zwingen. „Genauso wenig sollte man epilepsiekranken Menschen den Sport jedoch verbieten“, fordert Dr. Finetti. „Solche Verbote sind doch eigentlich nur Ausdruck übertriebener Ängste: Die Angst der Eltern, die ihr Kind vor allen etwaigen Gefahren bewahren wollen, die Angst der gesunden Sportler vor der möglichen Konfrontation mit einem epileptischen Anfall und manchmal auch die Angst des behandelnden Arztes, der einer Verantwortung für mögliche Verletzungen aus dem Weg gehen will. Zumeist sind diese Ängste unbegründet und rasch aus der Welt zu schaffen. Wichtig ist es, das individuelle Risiko des Kindes in bezug auf die gewählte Sportart abzuschätzen und dafür zu sorgen, dass alle Beteiligten – beispiels- weise die Trainer oder Betreuer im Sportverein – über die Erkrankung informiert sind. Gerade beim Thema Sport heißt die Parole: Epilepsie braucht Offenheit!“
Risikoabschätzung
Die Entscheidung, welchen Sport ein Kind wählt, sollte mit dem behandelnden Arzt vorher abgesprochen werden. Dabei muss berücksichtigt werden, welche Form der Epilepsie vorliegt und was die Auslöser der epileptischen Anfälle sind. Auch wie häufig und in welcher Art Krampfanfälle auftreten und wie hoch das spezielle Verletzungsrisiko einer Sportart während eines solchen Anfalls ist, sind relevante Aspekte. Ein Kinderneurologe kann unter Berücksichtigung aller dieser Faktoren die Eltern im Hinblick auf eine geeignete Sportart beraten. Sportarten, die für Menschen mit Epilepsien in der Regel sehr gut geeignet sind, sind zum Beispiel: Basketball, Handball, Volleyball, Bodenturnen, Skilanglauf, Tanzen und Tennis. „Auch Fußball ist eigentlich ein geeigneter Sport, ein Problem kann jedoch das Kopfballspiel machen“, warnt Dr. Finetti, „und zwar bei den Kindern, die aufgrund eines Schädel-Hirn-Traumas oder eines Hirntumors eine Epilepsie entwickelt haben.“ Unabhängig von solchen individuellen Risiken gibt es bei der Auswahl einer Sportart einige allgemeine Regeln, die es zu beachten gilt.
Besonderheit: Wassersport
Ertrinken ist nach wie vor die mit Abstand häufigste unnatürliche Todesursache von Menschen mit Epilepsie. Schwimmen, Tauchen, Surfen oder Wasserski sind also für sie mit einem besonderen Risiko verbunden. „Das heißt aber nicht, dass diese Wassersportarten von vornherein tabu sind“, räumt Dr. Finetti ein. „Es bedeutet lediglich, dass besondere Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden müssen. Die wichtigste Regel ist, dass epilepsiekranke Kinder nie alleine schwimmen gehen sollen. Sie brauchen immer einen Begleitschutz, das heißt, eine Eins-zu-eins- Betreuung durch einen Erwachsenen oder Jugendlichen, der selbst gut schwimmen kann und über Grundkenntnisse im Rettungsschwimmen verfügt. In einem Schwimmbad sollte außerdem immer der Bademeister informiert werden, bevor das Kind ins Wasser geht.“
Besonderheit: Medikamentenumstellung
Besondere Vorsicht ist immer dann geboten, wenn epilepsiekranke Kinder neu mit Medikamenten eingestellt werden oder die medikamentöse Therapie umgestellt oder abgesetzt wird. In diesen Phasen ist das Risiko für Anfälle besonders hoch. Es sollte dann immer mit dem behandelnden Arzt gesprochen werden, um das momentane Risiko des Kindes einschätzen zu können. „In manchen Fällen wird man zu dem Schluss kommen, dass das Schwimmen, Surfen und Tauchen in dieser Zeit auch bei Einzelaufsicht zu gefährlich ist“, so der Experte aus Essen. „Ein vorübergehender Verzicht ist in der Zeit einer Medika- mentenumstellung evtl. auch bei Sportarten angeraten, bei denen insgesamt ein erhöhtes Verletzungsrisiko besteht. Dies sind zum Beispiel: Turnen am Hochreck, an Seilen, Ringen oder Barren, alpiner Skisport, Boxen und Judo, Reiten und Fahrradfahren. Grundsätzlich ist zu sagen, und das gilt natürlich auch für gesunde Kinder: Beim Fahrradfahren und Reiten nie auf einen geeigneten Helm verzichten! Eltern sollten da Vorbild sein und ebenfalls einen Helm tragen!“
Besonderheit: Schulsport
Häufig werden auch heute noch Kinder mit Epilepsie voreilig vom Schulsport ausgeschlossen bzw. befreit. „Auch hier liegt zumeist eine unbegründete Angst vor möglichen Anfällen und den daraus resultierenden Verletzungen zugrunde“, weiß Dr. Finetti. „Und deshalb gilt auch beim Schulsport: Epilepsie braucht Offenheit. Eltern sollten die Lehrer ihrer Kinder über die Erkrankung und mögliche Risiken genauestens aufklären. Ggf. kann auch in Kooperation mit dem behandelnden Arzt eine Risikoabschätzung bezüglich des Schulsports erfolgen. Oft genügt dazu aber der gesunde Menschenverstand. In aller Regel ist ein epileptischer Anfall auf einem Sportplatz oder in der Turnhalle nicht gefährlicher als einer auf der Straße oder auf dem Schulhof. Deshalb können und sollten die allermeisten Kinder mit Epilepsie aus medizinischer Sicht ruhig am Schulsport teilnehmen. Gegen mögliche ungerechtfertigte Beschränkungen durch die Schule sollten sich Eltern offen zur Wehr setzen. Das Fernhalten vom Sportunterricht birgt immer die große Gefahr einer psychosozialen Isolation ihres Kindes.“(EKE)
„Grundsätzlich ist Sport für alle Menschen und in jedem Alter gesund und sinnvoll“, so Dr. Claudio Finetti, Oberarzt im Essener SPZ. „Eine regelmäßige körperliche Betätigung ist nicht nur für das körperliche Wohlbefinden wichtig, sondern auch für die Psyche, das Selbst- bewusstein und das Selbstvertrauen. Bei chronisch kranken Menschen hat Sport darüber hinaus auch noch eine wichtige psychosoziale Bedeutung. Sportliche Aktivitäten zusammen mit anderen – beispiels- weise in einem Verein – können einer drohenden Isolation vorbeugen, die man bei Menschen mit Epilepsie leider immer noch häufig sieht.“ Aber natürlich hat nicht jedes Kind Interesse an Sport. Eltern sollten es in diesem Fall auch nicht dazu zwingen. „Genauso wenig sollte man epilepsiekranken Menschen den Sport jedoch verbieten“, fordert Dr. Finetti. „Solche Verbote sind doch eigentlich nur Ausdruck übertriebener Ängste: Die Angst der Eltern, die ihr Kind vor allen etwaigen Gefahren bewahren wollen, die Angst der gesunden Sportler vor der möglichen Konfrontation mit einem epileptischen Anfall und manchmal auch die Angst des behandelnden Arztes, der einer Verantwortung für mögliche Verletzungen aus dem Weg gehen will. Zumeist sind diese Ängste unbegründet und rasch aus der Welt zu schaffen. Wichtig ist es, das individuelle Risiko des Kindes in bezug auf die gewählte Sportart abzuschätzen und dafür zu sorgen, dass alle Beteiligten – beispiels- weise die Trainer oder Betreuer im Sportverein – über die Erkrankung informiert sind. Gerade beim Thema Sport heißt die Parole: Epilepsie braucht Offenheit!“
Risikoabschätzung
Die Entscheidung, welchen Sport ein Kind wählt, sollte mit dem behandelnden Arzt vorher abgesprochen werden. Dabei muss berücksichtigt werden, welche Form der Epilepsie vorliegt und was die Auslöser der epileptischen Anfälle sind. Auch wie häufig und in welcher Art Krampfanfälle auftreten und wie hoch das spezielle Verletzungsrisiko einer Sportart während eines solchen Anfalls ist, sind relevante Aspekte. Ein Kinderneurologe kann unter Berücksichtigung aller dieser Faktoren die Eltern im Hinblick auf eine geeignete Sportart beraten. Sportarten, die für Menschen mit Epilepsien in der Regel sehr gut geeignet sind, sind zum Beispiel: Basketball, Handball, Volleyball, Bodenturnen, Skilanglauf, Tanzen und Tennis. „Auch Fußball ist eigentlich ein geeigneter Sport, ein Problem kann jedoch das Kopfballspiel machen“, warnt Dr. Finetti, „und zwar bei den Kindern, die aufgrund eines Schädel-Hirn-Traumas oder eines Hirntumors eine Epilepsie entwickelt haben.“ Unabhängig von solchen individuellen Risiken gibt es bei der Auswahl einer Sportart einige allgemeine Regeln, die es zu beachten gilt.
Besonderheit: Wassersport
Ertrinken ist nach wie vor die mit Abstand häufigste unnatürliche Todesursache von Menschen mit Epilepsie. Schwimmen, Tauchen, Surfen oder Wasserski sind also für sie mit einem besonderen Risiko verbunden. „Das heißt aber nicht, dass diese Wassersportarten von vornherein tabu sind“, räumt Dr. Finetti ein. „Es bedeutet lediglich, dass besondere Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden müssen. Die wichtigste Regel ist, dass epilepsiekranke Kinder nie alleine schwimmen gehen sollen. Sie brauchen immer einen Begleitschutz, das heißt, eine Eins-zu-eins- Betreuung durch einen Erwachsenen oder Jugendlichen, der selbst gut schwimmen kann und über Grundkenntnisse im Rettungsschwimmen verfügt. In einem Schwimmbad sollte außerdem immer der Bademeister informiert werden, bevor das Kind ins Wasser geht.“
Besonderheit: Medikamentenumstellung
Besondere Vorsicht ist immer dann geboten, wenn epilepsiekranke Kinder neu mit Medikamenten eingestellt werden oder die medikamentöse Therapie umgestellt oder abgesetzt wird. In diesen Phasen ist das Risiko für Anfälle besonders hoch. Es sollte dann immer mit dem behandelnden Arzt gesprochen werden, um das momentane Risiko des Kindes einschätzen zu können. „In manchen Fällen wird man zu dem Schluss kommen, dass das Schwimmen, Surfen und Tauchen in dieser Zeit auch bei Einzelaufsicht zu gefährlich ist“, so der Experte aus Essen. „Ein vorübergehender Verzicht ist in der Zeit einer Medika- mentenumstellung evtl. auch bei Sportarten angeraten, bei denen insgesamt ein erhöhtes Verletzungsrisiko besteht. Dies sind zum Beispiel: Turnen am Hochreck, an Seilen, Ringen oder Barren, alpiner Skisport, Boxen und Judo, Reiten und Fahrradfahren. Grundsätzlich ist zu sagen, und das gilt natürlich auch für gesunde Kinder: Beim Fahrradfahren und Reiten nie auf einen geeigneten Helm verzichten! Eltern sollten da Vorbild sein und ebenfalls einen Helm tragen!“
Besonderheit: Schulsport
Häufig werden auch heute noch Kinder mit Epilepsie voreilig vom Schulsport ausgeschlossen bzw. befreit. „Auch hier liegt zumeist eine unbegründete Angst vor möglichen Anfällen und den daraus resultierenden Verletzungen zugrunde“, weiß Dr. Finetti. „Und deshalb gilt auch beim Schulsport: Epilepsie braucht Offenheit. Eltern sollten die Lehrer ihrer Kinder über die Erkrankung und mögliche Risiken genauestens aufklären. Ggf. kann auch in Kooperation mit dem behandelnden Arzt eine Risikoabschätzung bezüglich des Schulsports erfolgen. Oft genügt dazu aber der gesunde Menschenverstand. In aller Regel ist ein epileptischer Anfall auf einem Sportplatz oder in der Turnhalle nicht gefährlicher als einer auf der Straße oder auf dem Schulhof. Deshalb können und sollten die allermeisten Kinder mit Epilepsie aus medizinischer Sicht ruhig am Schulsport teilnehmen. Gegen mögliche ungerechtfertigte Beschränkungen durch die Schule sollten sich Eltern offen zur Wehr setzen. Das Fernhalten vom Sportunterricht birgt immer die große Gefahr einer psychosozialen Isolation ihres Kindes.“(EKE)
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