Gewalt - Ursprung und Vermeidung
Die Gewalt in unserer Gesellschaft wird immer alltäglicher, um nicht zusagen salonfähig. Die Medien tun ihr übrigens dazu bei und verherrlichen zunehmend Gewalt in unserem Alltag. Agressivität den Mitmenschen gegenüber sind an der Tagesordnung. Doch was ist eigentlich Gewalt, wie äußert sich Gewalt und inwieweit spielt die Aggression hier ihre Rolle?
Wie wird Gewalt überhaupt definiert?
Unter Gewalt versteht man die Anwendung von psychischem und physischem Zwang anderen Menschen gegenüber. Dabei müssen wir unterscheiden zwischen der rohen, gegen Sitte und Recht verstoßenden Einwirkung auf Personen (= verletzte Gewalt) und dem Durchsetzungsvermögen in Macht- und Herrschaftsbeziehungen (= ordnende Gewalt).
Schon früh unterwarfen sich die in Gemeinschaft eines Stammes lebende Menschen eines ordnenden, inneren und äußeren Frieden sichernden Gewalt: Um Gewalt zwischen den Mitgliedern der Gemeinschaft zu unterbinden, wurde Gewalt als legitimes Instrument der Herrschaft oder bei bestimmten Staatsorganen monopolisiert.
Später entwickelte sich das Recht des Stärkeren zurück und Gewalt kanalisierte sich durch Rechte, in Stammes- und Staatsordnungen und in Recht- und Gerichtswesen.
Bei der verletzten Gewalt dagegen handelt es sich um eine Zwangseinwirkung auf eine andere Person. Der Erfolg von Gewalt, sofern nicht unmittelbar physisch ausgeübt, hängt von dem Grade des Angsterzeugungspotenziales ab. Gewalt zerstört jede Form friedlichen Zusammenlebens. Gewalt kann in der Öffentlichkeit, in der Familie, als angeborener "Fehler" oder als Reaktion auf Reizungen auftreten.
Die Gewalt in der Öffentlichkeit wird zwischen Einzel- und Strukturgewalt der Gruppe unterschieden (Johan Galtung). Wobei die Strukturgewalt als eine immanent vorgegebene Gewalt in allen gesellschaftlichen Systemen, die die volle Entfaltung der Individualität durch eine ungleiche Verteilung von Eigentum und Macht verhindert. Die individuelle Gewalt dagegen versteht sich als eine vom Einzelnen schon vorgefundene Gewalt. Sie wird als Versuch einer Kompensation der Benachteiligung gedeutet.
Gewalt resultiert aus dem gesellschaftlich bedingten Rollenverhalten als auch dem individuellen Entschluss gewalttätig agieren zu müssen. Die Bereitschaft zur Gewalt hat ihren ethnischen, nationalen, religiösen und auf die Wahrung kultureller Eigenständigkeit Ursprung durch Minderheiten.
Analog zum Willen eines Staates, Gewalt gegen Minderheiten auszuüben, kommt die Gewalt des Einzelnen und Gruppen gegenüber Randgruppen und Subkulturen: Ausländer, Nichtsesshafte etc.) hinzu.
Die Gewalt in der Familie ist ein stark sensibles Thema. Gerade im Bereich der Erziehung ist Gewalt ein oft nicht erkennbares Problem und daher so sensibel. Gewalt gegen Frauen in der Ehe, Kindesmisshandlung sind die beiden eklatanten Bereiche.
Die angeborene Bereitschaft zur Gewalt.
Ein Psychologe wird selten von Gewalt sprechen, eher von Aggression oder Aggressivität. Die Frage nach der Ursache der Aggression beim Menschen hat somit zu zahlreichen Ansätzen geführt.
Die sogenannte endogene Aggressionstheorie geht von der Annahme eines angeborenen Aggressionsinstinkt aus. Dieser erfüllt nach dem Verhaltensforscher Konrad Lorenz beim Menschen die gleichen Funktionen wie bei den Tieren innerhalb einer Art, nämlich die Verteidigung der Nachkommenschaft, Auslese und Bildung einer sozialen Rangordnung und damit die Erhaltung der Art. Die Impulse zu aggressivem Verhalten entstehen aus einer inneren Triebquelle und bedienen sich des "Dampfkesselprinzips": Spannungsaufladung und Spannungsentladung.
Innerhalb der Psychotherapie zählt das "Konzept zweier widerstreitender Triebe beim Menschen". Sigmund Freud spricht von dem Lebenstrieb (Eros). Diesem steht der Todestrieb (Thanatos) gegenüber. Der Todestrieb zielt auf die Selbstvernichtung des Individuums, die Rückverwandlung allen Lebendigen in den anorganischen Zustand ab. Die modernen Psychoanalytiker verweisen auf die spezifisch menschlichen Leistungen der Wahrnehmung: Gedächtnis, Denken, Sprache und planerisches Vermögen. Denn nur somit ist der Mensch zu flexiblen, differenzierten und von Triebimpulsen relativ unabhängigen Reaktionen fähig.
Auch der Narzissmus ist bei der aktuellen Gewaltforschung im Focus der Berücksichtigung. Die Aggression dient im Fall eines Narzissten in besondere dazu, dass das Selbstwertgefühl aus Gefahren zu retten ist oder so die Bestätigung einer nicht erreichbaren narzisstischen Eigenschaft gewonnen werden kann.
Gewalt als Reaktion
Schon 1939 wurde an der Yale Universität die "Frustrations-Aggressions-Hypothese" entwickelt. Jeder Aggression liegt eine Frustration zu Grunde. Frustration wird definiert als eine Triebblockade, die eine zielgerichtete Aktivität somit verhindert.
Das Ergebnis ist eine gesteigerte Frustration, die zu Wut, Zorn, Ärger führt mit dem Ziel diese Blockade zu beseitigen. Nur die aggressive Handlung führt zu einer Befriedigung, der Anreiz zu weiteren Aggressionen werde reduziert und die gestörte Aktivität anschließend fortgeführt. Je größer die Frustration, desto intensiver die oft spontaner aggressive Reaktion.
Gegen diese Hypothese spricht, dass nicht jede Frustration ein aggressives Verhalten nach sich zieht. Reaktionsformen können ebenfalls konstruktive Lösungsmöglichkeiten, Flucht, Ersatzhandlungen oder Umbewertung der Situation (Neueinschätzung, Humorvolle Verarbeitung oder rationale Betrachtung sein).
Weiterhin liegt nicht jeder Aggression eine Frustration zu Grunde. Das Ausleben oder Entladen der aggressiven Impulse kann, bedingt durch einen Erfolg und Gewöhnung aggressive Verhalten, dessen Anreiz noch steigern, anstatt Aggression zu löschen.
Die lerntheoretischen Aggressionsmodelle gehen von einem aggressiven Verhalten aus, das wie jedes soziale Verhalten durch Lernen erworben wird, und zwar durch die Beobachtung aggressiven Verhaltens (Modelllernen) und durch den Erfolg aggressiven Verhaltens (Verstärkungslernen).
Die sozialtheoretischen Aggressionsmodelle befassen sich mit der Aggressionsentwicklung im sozialen Kontext: Sündenbockbildung. Gruppennormen oder Konformitätsdruck, Rollenverhalten in der Gruppe, Massenphänomen: Aggressivität bei ungleichen gesellschaftlichen Voraussetzungen.
Gewalt - Reduktion & Vermeidung
Das grundsätzliche Aggressionsverhalten wird durch Bestrafung von Gewaltanwendungen meist nur gehemmt oder unterdrückt, aber nicht beseitigt. Aggressives Verhalten wird sogar bestärkt durch die Bestrafung. Daher versucht man Aggressionstherapien besonders bei Kindern und Jugendlichen, die Jähzorn, Wutausbrüche und aggressives Verhalten als Grundtenor ihres Verhaltens ausweisen, durch Aufbau und Training nicht aggressiver Verhaltentherapie zu verhindern.
Konfliktstaue, angehäufte Frustrationen sollen aufgebrochen werden und gewaltfreie Konfliktlösungen sowie kognitive Auseinandersetzungen mit Ärger, Stress und deren Ursachen zur Anwendung kommen. Das Erarbeiten des Selbstwertgefühls und die Steigerung des verlorenen Ichs, d.h. Abbau narzisstischer Anwandlungen soll durch Entspannung mit Verbalisierung der eigenen Emotionen, Motiven und Problemen behoben werden.
Wie wird Gewalt überhaupt definiert?
Unter Gewalt versteht man die Anwendung von psychischem und physischem Zwang anderen Menschen gegenüber. Dabei müssen wir unterscheiden zwischen der rohen, gegen Sitte und Recht verstoßenden Einwirkung auf Personen (= verletzte Gewalt) und dem Durchsetzungsvermögen in Macht- und Herrschaftsbeziehungen (= ordnende Gewalt).
Schon früh unterwarfen sich die in Gemeinschaft eines Stammes lebende Menschen eines ordnenden, inneren und äußeren Frieden sichernden Gewalt: Um Gewalt zwischen den Mitgliedern der Gemeinschaft zu unterbinden, wurde Gewalt als legitimes Instrument der Herrschaft oder bei bestimmten Staatsorganen monopolisiert.
Später entwickelte sich das Recht des Stärkeren zurück und Gewalt kanalisierte sich durch Rechte, in Stammes- und Staatsordnungen und in Recht- und Gerichtswesen.
Bei der verletzten Gewalt dagegen handelt es sich um eine Zwangseinwirkung auf eine andere Person. Der Erfolg von Gewalt, sofern nicht unmittelbar physisch ausgeübt, hängt von dem Grade des Angsterzeugungspotenziales ab. Gewalt zerstört jede Form friedlichen Zusammenlebens. Gewalt kann in der Öffentlichkeit, in der Familie, als angeborener "Fehler" oder als Reaktion auf Reizungen auftreten.
Die Gewalt in der Öffentlichkeit wird zwischen Einzel- und Strukturgewalt der Gruppe unterschieden (Johan Galtung). Wobei die Strukturgewalt als eine immanent vorgegebene Gewalt in allen gesellschaftlichen Systemen, die die volle Entfaltung der Individualität durch eine ungleiche Verteilung von Eigentum und Macht verhindert. Die individuelle Gewalt dagegen versteht sich als eine vom Einzelnen schon vorgefundene Gewalt. Sie wird als Versuch einer Kompensation der Benachteiligung gedeutet.
Gewalt resultiert aus dem gesellschaftlich bedingten Rollenverhalten als auch dem individuellen Entschluss gewalttätig agieren zu müssen. Die Bereitschaft zur Gewalt hat ihren ethnischen, nationalen, religiösen und auf die Wahrung kultureller Eigenständigkeit Ursprung durch Minderheiten.
Analog zum Willen eines Staates, Gewalt gegen Minderheiten auszuüben, kommt die Gewalt des Einzelnen und Gruppen gegenüber Randgruppen und Subkulturen: Ausländer, Nichtsesshafte etc.) hinzu.
Die Gewalt in der Familie ist ein stark sensibles Thema. Gerade im Bereich der Erziehung ist Gewalt ein oft nicht erkennbares Problem und daher so sensibel. Gewalt gegen Frauen in der Ehe, Kindesmisshandlung sind die beiden eklatanten Bereiche.
Die angeborene Bereitschaft zur Gewalt.
Ein Psychologe wird selten von Gewalt sprechen, eher von Aggression oder Aggressivität. Die Frage nach der Ursache der Aggression beim Menschen hat somit zu zahlreichen Ansätzen geführt.
Die sogenannte endogene Aggressionstheorie geht von der Annahme eines angeborenen Aggressionsinstinkt aus. Dieser erfüllt nach dem Verhaltensforscher Konrad Lorenz beim Menschen die gleichen Funktionen wie bei den Tieren innerhalb einer Art, nämlich die Verteidigung der Nachkommenschaft, Auslese und Bildung einer sozialen Rangordnung und damit die Erhaltung der Art. Die Impulse zu aggressivem Verhalten entstehen aus einer inneren Triebquelle und bedienen sich des "Dampfkesselprinzips": Spannungsaufladung und Spannungsentladung.
Innerhalb der Psychotherapie zählt das "Konzept zweier widerstreitender Triebe beim Menschen". Sigmund Freud spricht von dem Lebenstrieb (Eros). Diesem steht der Todestrieb (Thanatos) gegenüber. Der Todestrieb zielt auf die Selbstvernichtung des Individuums, die Rückverwandlung allen Lebendigen in den anorganischen Zustand ab. Die modernen Psychoanalytiker verweisen auf die spezifisch menschlichen Leistungen der Wahrnehmung: Gedächtnis, Denken, Sprache und planerisches Vermögen. Denn nur somit ist der Mensch zu flexiblen, differenzierten und von Triebimpulsen relativ unabhängigen Reaktionen fähig.
Auch der Narzissmus ist bei der aktuellen Gewaltforschung im Focus der Berücksichtigung. Die Aggression dient im Fall eines Narzissten in besondere dazu, dass das Selbstwertgefühl aus Gefahren zu retten ist oder so die Bestätigung einer nicht erreichbaren narzisstischen Eigenschaft gewonnen werden kann.
Gewalt als Reaktion
Schon 1939 wurde an der Yale Universität die "Frustrations-Aggressions-Hypothese" entwickelt. Jeder Aggression liegt eine Frustration zu Grunde. Frustration wird definiert als eine Triebblockade, die eine zielgerichtete Aktivität somit verhindert.
Das Ergebnis ist eine gesteigerte Frustration, die zu Wut, Zorn, Ärger führt mit dem Ziel diese Blockade zu beseitigen. Nur die aggressive Handlung führt zu einer Befriedigung, der Anreiz zu weiteren Aggressionen werde reduziert und die gestörte Aktivität anschließend fortgeführt. Je größer die Frustration, desto intensiver die oft spontaner aggressive Reaktion.
Gegen diese Hypothese spricht, dass nicht jede Frustration ein aggressives Verhalten nach sich zieht. Reaktionsformen können ebenfalls konstruktive Lösungsmöglichkeiten, Flucht, Ersatzhandlungen oder Umbewertung der Situation (Neueinschätzung, Humorvolle Verarbeitung oder rationale Betrachtung sein).
Weiterhin liegt nicht jeder Aggression eine Frustration zu Grunde. Das Ausleben oder Entladen der aggressiven Impulse kann, bedingt durch einen Erfolg und Gewöhnung aggressive Verhalten, dessen Anreiz noch steigern, anstatt Aggression zu löschen.
Die lerntheoretischen Aggressionsmodelle gehen von einem aggressiven Verhalten aus, das wie jedes soziale Verhalten durch Lernen erworben wird, und zwar durch die Beobachtung aggressiven Verhaltens (Modelllernen) und durch den Erfolg aggressiven Verhaltens (Verstärkungslernen).
Die sozialtheoretischen Aggressionsmodelle befassen sich mit der Aggressionsentwicklung im sozialen Kontext: Sündenbockbildung. Gruppennormen oder Konformitätsdruck, Rollenverhalten in der Gruppe, Massenphänomen: Aggressivität bei ungleichen gesellschaftlichen Voraussetzungen.
Gewalt - Reduktion & Vermeidung
Das grundsätzliche Aggressionsverhalten wird durch Bestrafung von Gewaltanwendungen meist nur gehemmt oder unterdrückt, aber nicht beseitigt. Aggressives Verhalten wird sogar bestärkt durch die Bestrafung. Daher versucht man Aggressionstherapien besonders bei Kindern und Jugendlichen, die Jähzorn, Wutausbrüche und aggressives Verhalten als Grundtenor ihres Verhaltens ausweisen, durch Aufbau und Training nicht aggressiver Verhaltentherapie zu verhindern.
Konfliktstaue, angehäufte Frustrationen sollen aufgebrochen werden und gewaltfreie Konfliktlösungen sowie kognitive Auseinandersetzungen mit Ärger, Stress und deren Ursachen zur Anwendung kommen. Das Erarbeiten des Selbstwertgefühls und die Steigerung des verlorenen Ichs, d.h. Abbau narzisstischer Anwandlungen soll durch Entspannung mit Verbalisierung der eigenen Emotionen, Motiven und Problemen behoben werden.

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